Don M. Barbagrigia. Brandenburg an der Havel. In der Roten Armee hätte "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" vom großen Brecht Pflichtlektüre sein sollen. Zumindest in den Stäben der Marschälle Schukow, Konew und Rokossowski.
"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch …" Wer eine solche Warnung nicht ernst nimmt, wer das Unkraut ohne dessen Wurzel herausreißt, der muss damit klarkommen, nur kurze Zeit Ruhe zu haben. Dann geht das Theater von vorne los.
Der Endkampf um Berlin war mörderisch. Nach der verlustreichen Schlacht um die Seelower Höhen war die Rote Arbeiter- und Bauernarmee der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken beinahe am Ziel.
Wie viele Rotarmisten hatte es auf diesem grausamen Weg von Stalingrad und Moskau, von Leningrad und Kursk bis nach Berlin das einzige Leben gekostet, das sie in Äonen je geboten bekommen hatten und nie wieder haben werden!
Wie viele mussten ihre Gesundheit opfern, wurden furchtbar verkrüppelt, hatten unersetzliche Verluste in der eigenen Familie zu tragen, welche ihnen die faschistische Bestie zugefügt hatte!
Diese Bestie wand sich zwar in den letzten Apriltagen des Jahres 1945 in ihren Todeszuckungen. Der Gröfaz brüllte verzweifelt nach Wenck. In Berlin aber, das die Truppen der Roten Armee am 21. April erreichten, aus den Trümmern heraus, unter welchen die Royal Airforce unter Bomber-Harris und die USAF die Reichshauptstadt begraben hatten, konnte sie noch immer töten, töten, töten.
Die Rotarmisten aber hatten nach vier Jahren des Blutens die Schnauze gestrichten voll. Sie wollten nicht noch kurz vor Toresschluss sterben müssen. In Treptow aber liegen ihrer 7.000, an denen dieser bittere Kelch nicht vorübergehen wollte.
Sie verloren ihr Leben nicht nur zum Schutze ihrer sowjetischen Heimat – sie gaben es auch, damit wir deutschen Nachgeborenen nicht die Wahl haben müssen zwischen der braunen SA-Uniform und der Sachsenhausener Häftlingskleidung, damit wir Deutschen die BBC (noch) nicht wieder unter dem Kopfkissen hören und Angst haben müssen, dass uns unsere eigene Brut bei der Gestapo denunziert.
Wobei es sich mittlerweile nicht mehr lohnen dürfte, der BBC zuzuhören, welche noch vor zwei Jahrzehnten der seriöseste und vertrauenswürdigste Rundfunk der Welt war. Doch das nur nebenbei.
Diese Rotarmisten retteten das Volk vor der Nazibestie mit ihren Leben und ihrer Gesundheit, weil das deutsche Volk, das sich diese Bestie selbst übergeholfen hatte, diese selbst nicht mehr abzuschütteln in der Lage war.
Nun stehen im Tiergarten die beiden Panzer vor dem Siegesdenkmal und in Treptow auf dem Kurgan die Kolossalstatue des Rotarmisten mit dem kleinen Mädchen auf dem Arm und die Füße auf dem zerbrochenen Hakenkreuz.
Dieser Rotarmist, dessen lebendiges Vorbild der Genosse Sergeant Nikolai Iwanowitsch Massalow gewesen sein mag, wacht über die zur Ehrfurcht mahnende, weitläufige und umzäunte Anlage.
Sie ist eingebettet in den Treptower Park – ein Teil dieses Parkes.
Dennoch führen Frauen ihre Hunde durch diesen Ehrenfriedhof, Gruppen ausländisch gekleideter und aussehender Läufer, mutmaßlich Pakistanis oder Inder, hecheln die Wege an den Kenotaphen vorbei, unter den Sitzbänken sammeln sich Bierflaschen, davon zeugend, dass diese von respektlosen und asozialen Zeitgenossen an diesem Orte ausgesoffen werden.
Obgleich die faschistischen Mörder die Sowjetunion überfallen haben, ist dem Preußischen Landboten nicht bekannt, dass ein solches Verhalten auf Friedhöfen in Russland geduldet würde, welche die Gebeine auch deutscher Soldaten bergen, die dort den Tod fanden, wo sie nichts verloren hatten – nicht mit Waffen in den Händen!
Die Ausländer, die dort ihrem Laufsport nachgehen, haben gewiss keinen Bezug zu der Geschichte und den Verhaltens-Verpflichtungen, welcher dieser Ort fordert.
Doch was würde es den Berliner Senat oder die Bundesregierung kosten, an den Toren Schilder anzubringen, die das Fressen, Saufen, Hunde ausführen und das Sporttreiben auf diesem Gelände verbieten? |