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Krieg

Michael L. Hübner. Havelsee. „Willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag’ ich dir den Schädel ein!“ Dieser Spruch allein erklärt natürlich noch nicht zur Gänze die Ursache vieler menschlicher Konflikte. Der Schädel des Adressierten bleibt nicht allein deswegen verschont, weil er sich bereit erklärt, der verlangte Bruder sein zu wollen. Er muss darüber hinaus auch noch der kleinere Bruder sein wollen – derjenige, der sich unterordnet.

Denn es geht vielen Menschen ja um Akkumulation von Ressourcen, über die sie dann allein verfügen wollen. Gleichberechtigte oder übergeordnete Brüder wären dabei genauso schädlich, wie der Feind.

Der Brandenburger Arzt Dr. Lothar H. Sagte einmal: „Sie wollen alle nur dein Bestes, nämlich dein – Geld! Sie nehmen dir alles, was du nicht in der Lage bist festzuhalten.“

Er hatte recht.

Warum tickt der Nackte Affe so völlig irrational und idiotisch? Kein Vieh ist so dämlich. Natürlich gibt es auch Tiere, die Voratshaltung betreiben – Eichhörnchen beispielsweise. Für die aber gilt es Notzeiten wie den Winter zu überbrücken, da sie keine Reserven besitzen, welche sie in einem Winterschlaf verbrauchen könnten.

Die exzessive Kumulation aber ist der Fauna fremd.

An dieser Stelle ist die Evolution scheinbar entgleist. Warum nur scheinbar? Weil das langfristige Konzept dahinter keineswegs fehlerbehaftet ist. Es implementiert den unvermeidlichen Not-Aus-Knopf der Evolution, der dafür sorgt, dass der zutiefst menschliche Turmbau zu Babel eben nicht durch die Wolken schießt und es ein absehbares Ende mit dem Nackten Affen und seiner zerstörerischen Menschlichen Dummheit hat.

Einstweilen aber verbraucht, nein verschwendet diese Dummheit Ressourcen, als ob es kein Morgen gibt. Doch es gibt eins!

Da ballern die Yankees und ihre Alliierten in Teheran ein Öllager in die Luft und es brennt lichterloh, so wie damals, als Saddam Kuweit angesteckt hat. Millionen Barrel werden zu Lasten der Menschen und der Umwelt vernichtet. Öl, was Millionen von Maschinen hätte antreiben oder schmieren können.

Aber nein – „Ich will haben, was dir gehört und wenn ich es kann, nehme ich es dir weg. Wenn das nicht geht, vernichte ich es, denn außer mir darf es niemand haben!“ Taktik der im wahrsten Sinne des Wortes verbrannten Erde.

Das war schon die Logik der amerikanischen Milchbauern, welche ihre Milch in den Dreißigern ins Hafenbecken kippten, um durch künstliche Verknappung des Produkts die Preise nach oben zu treiben. Dass die Milchbauern aufgrund eines kapitalistisch-räuberischen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems selbst Not litten – gar keine Frage. Doch Gott sieht es!

ER sah, dass dort Milch ins Hafenbecken gekippt wurde, während kleine Kinder in der Bronxx nichts außer verkeimtes, choleraträchtiges Wasser zu trinken bekamen. Gottes Einträge sind präzise und sehr von Dauer! Das rächt sich. Es ist die innere Haltung zu den Dingen, die am Verlauf des Schicksal des einzelnen Menschen und ergo ganzer Gesellschaften entscheidend mitstrickt.

Krieg, gewaltsame Konflikte und ultimative Kompromisslosigkeit sind immer Ressourcenvernichter.

Die zukünftigen Generationen, die das auszubaden haben, werden fluchen: “Verdammt, waren die Alten blöd! Sie haben bedenkenlos vernichtet, was wir jetzt zum Überleben dringend bräuchten."

Stimmt – aber genau das ist das Alleinstellungsmerkmal des Nackten Affen – diese unendliche Blödheit – nicht mal so sehr das Lachen, welches doch im Allgemeinen als das Haupt-Abgrenzungs-Charakteristikum zitiert wird, mit dem der Nackte Affe sich vom Rest der Fauna zu distinguieren sucht.

`s ist Krieg! Wieder mal. Irgendwann ist es der letzte, der mit etwas anderem als den eigenen Fäusten, Zähnen und ein paar Holzknüppeln oder Steinen geführt wird.

Krieg nicht nur um Ressourcen, sondern auch um Güterakkumulation – denn Güter bedeuten Macht – Macht bedeutet Einfluss – Einfluss zieht auf in der Regel animalische Art und Weise Sexualpartner an, welche ebenfalls ihrem Nucleus amygdaloideus sklavisch unterworfen sind und sich in ihrer Hybris nur selbst permanent einreden, dass sie über so etwas wie Intelligenz verfügten. Doch diese reicht bestenfalls gerade mal dazu, dem Nächsten in die Taschen zu fassen und ihn zu übertölpeln, auszunutzen, einzuspannen.

Das funktioniert also wie ein bösartiges Krebs-Geschwür, das sich auf Kosten des Gesamtorganismus im Körper ausbreitet und dann mit dem Tode des befallenden Individuums auch sein eigenes Geschick besiegelt. Im Krematorium brennt physiologisches Gewebe allemal bei 900 °C genauso gut wie pathologisches.

Die Intelligenz, hinter diesen Horizont zu blicken, ist nur sehr wenigen Menschen verliehen. Zu wenigen, um der Entwicklung noch eine positive Wendung zu geben. Viel zu wenigen.

Leider war kein Krieg in der Menschheitsgeschichte je in der Lage, diesen bedauerlichen Umstand nachhaltig zu korrigieren. Man ist versucht zu sagen, dies hätte einem Krieg wenigstens einen einzigen positiven Aspekt abgenötigt.

32. Volumen
© B.St.Ff.Esq., Pr.B.&Co,2003
10.03.2026