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Achsen
und Brandmauern
- eine kynisch-ironische Satire
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Don. M. Barbagrigia. Havelsee. Man
könnte sich krummlachen – wenn’s alles nicht so traurig wäre.
Der Bundespinocchio gibt Donna Meloni die Hand und beschwört den neuen
Schulterschluss mit den zisalpinen Vettern.
Nicht, dass der Landbote auch nur das Geringste gegen sogar konföderale
Bindungen zu Italien hätte. I bewahre! Wir schreiben unter der Flagge
Clios – und das bedeutet, wir sehen uns immer noch als Teil eines mitteleuropäischen
Ganzen vom Danewerk bis nach Sizilien. So, wie wir uns auch eng mit unseren
westfränkischen Vettern rund um Paris verbunden fühlen.
Allerdings betrachten wir historische Prozesse mitunter sehr kritisch.
Obwohl wir ein Blatt sind, das vorzugsweise auf Deutsch schreibt, haben
wir ein sehr, sehr distanziertes Verhältnis zur letzten Achse Berlin-Rom.
Man erinnere sich: Diese Achse wurde vom Postkartenmaler aus Braunau und
seinem Mentor, dem verkorksten Lehrer und Faschistenführer Benito Mussolini
geschmiedet.
Sie brach unter den wuchtigen Schlägen der Alliierten schon 1944 auseinander.
Der Duce wurde koppheister an einer Mailänder Tankstelle aufgehängt –
der Gröfaz ballerte sich die braune Birne weg … Der Spuk war vorbei. …
oder?
Offensichtlich nicht. Denn nun entsteht vor unseren Augen eine neue Achse
Rom-Berlin.
Das haut uns die Beine weg:
Zu Hause drischt der Kanzler unentwegt das undemokratische Stroh von der
Brandmauer – man mag sich zur AfD stellen, wie man will – und dort verbrüdert
er sich mit einer faschistischen Ministerpräsidentin, die doch in derselben
Liga unterwegs sein soll, wie Wilders, Kaczynski, Marine Le Pen, Orban
oder Frau Weidel?
Natürlich wissen wir, warum er das tut. Wir sind nicht blauäugig.
Merz ist kein Fels in der Brandung. Zwischen ihm und einem Helmut Schmidt
oder einem Helmut Kohl liegen Welten. Wobei man gerechterweise ergänzen
muss, dass diese Kanzler ein wirtschaftlich bärenstarkes Deutschland hinter
sich hatten, dessen globales Gewicht ihrer persönlichen Autorität durchaus
zuträglich war.
Merz ist Kanzler eines der mittlerweile ganz „kranken, alten Männer in
Europa“, eines Landes, dass sich aufgrund seiner verschwurbelten und mit
Ideologien aufgeladenen Politik der letzten Jahre zum Hanswurst der Welt
gemacht hat und das gerade vor aller Augen kollabiert. Den Kapitän eines
strahlenden Luxusliners empfängt die Hafenkapelle mit allem Fahnenschmuck,
Bürgermeister und Honoratioren – den Shipper eines Seelenverkäufers unter
panamaischer Flagge hingegen toleriert man eventuell noch gerade eben
unter dem Tresen einer billigen Hafenkaschemme.
Bundespinocchio hat nun gerade eben seine nächste Schlappe kassiert. Sein
Projekt Mercosur, das er, wie er es im Inland mittlerweile gewohnt ist,
nach Gutsherrenart in Brüssel durchwinken wollte, hat ihm die nächste
krachende Niederlage vor den Augen der ganzen Welt eingefahren: Das Straßburger
Parlament war nicht der Ansicht, sich von der Führungsetage weiter zu
einer Ja-Sager-Bude á la Volkskammer degradieren zu lassen und hat knallhart
NEIN gesagt.
Merz will das zwar jetzt noch auf Biegen und Brechen am Parlament vorbei
durchpeitschen – wer aber diese Kraftprobe besteht, das ist noch nicht
raus.
In jedem Falle aber verliert er: Denn, wenn er das Europäische Parlament
entmachtet, dann kippt er den letzten Glauben an eine funktionierende
europäische Demokratie gleich mit über Bord. Das wäre der Todesstoß für
die Europäische Union.
Wobei die Union bereits gefährlich an ihrer Westflanke erodiert – denn
es ist kein Geheimnis, dass Monsieur „Le petit Roy soleil“ aus dem Elysee
mittlerweile ein bankrottes Land verwaltet. Damit, und mit dem unaufhaltsamen
Niedergang Deutschlands, fängt der Motor der Union an zu stottern. Die
europäischen Zwerge werden den Fall ihrer beiden morschen Säulen nicht
aufhalten können.
Faschistenführerin Meloni hat Merz ein bisschen Schützenhilfe geleistet,
als es um Mercosur ging. Da Norditalien noch immer mit einer starken Wirtschaft
auftrumpfen kann und die Faschisten bislang wenigstens den ökonomischen
Motor am Laufen hielten, statt ihn wie Merzens Kumpane von der ideologischen
Fraktion SPD-Grüne, im Nordreich ständig abzuwürgen, erscheint gerade
ausgerechnet Italien als der einzig verbliebene Rettungsanker. Also muss
er nach Rom! Was soll er auch in Sofia, Bukarest, Madrid, Kopenhagen oder
dem Haag? Mit Netto-Empfängern traut sich schließlich niemand zum Wiener
Hofball und in der Puszta braucht er auch nicht mehr auf sonderlich viele
Sympathien zu hoffen.
Und so bröckelt es dahin – das stoische Geschwafel von der Brandmauer
– mit der eisernen Verweigerung der Zusammenarbeit mit faschistischen
Kräften, oder solchen, welche man dafürhält.
Hätte man die moderaten Kräfte der AfD nicht gemeinsam mit den gesichert
neofaschistischen Fraktionen dieser Partei in einem Anfall politischen
Wahnsinns nicht in einen Kessel geworfen, sondern die braunen Krakeeler
unter dem blauen Mäntelchen isoliert und stigmatisiert, dann hätte sich
gut und gerne ein Keil in die Blauen treiben lassen: Die Guten ins Töpfchen
– die Schlechten ins Kröpfchen!
Man hätte eine kleinere blaue Partei bekommen, mit der man hätte praktisch
und lösungsorientiert zusammenarbeiten und vielleicht sogar koalieren
können; man hätte die wirklich Bösen in die Schmuddelecke absondern können,
man hätte sich nicht von den jakobinischen Wadenbeißern in Berlin am Nasenring
durch die Arena ziehen brauchen.
Italien ist übrigens die Heimat des Originals: des echten Pinocchios.
Wir müssen das Fernsehbild noch einmal scharf stellen, wenn die denkwürdige
Szene vor der Villa Doria Pamphilj gezeigt wird: Hat unser verlorener
Sauerländer nun schon einen längeren Zinken als die weltberühmte Marionette,
die genauso gern immer danach strebte, ein richtiger Junge zu werden,
wie Merz davon träumt ein richtiger Politiker und Kanzler zu werden?
Mit etwas Fantasie kommt das hin.
Im Gegensatz zum hölzernen Antezessor mangelt es Merzen jedoch an einer
guten Fee, die ihm letztendlich den Pfad zur Tugend und zur Erfüllung
seiner Wünsche weist. Nur an Füchsen und Katern, den Gaunern aus Collodis
Meisterwerk – da herrscht in Fritzes Umfeld scheinbar Überfluss. Anders
sind seine vielen Irrungen und Wirrungen nicht zu erklären.
Nun ja, mit dem warmen Händedruck, den er mit seiner neuen Faschistenfreundin
ausgetauscht hat, darf Fritze nun endlich die letzte Trumpfkarte ziehen:
„Ist der Ruf erst ruiniert …“
Die Schwarzhemden-Petitesse aus San Marino dürfte sich hingegen freuen.
Für sie muss das Erlebnis an eine Fahrt im Paternoster erinnern: Während
das einst starke Deutschland der Siebziger und Achtziger an ihr vorbei
im freien Fall in die Tiefe rauscht, schwebt ein erstarkendes Italien,
das zur selben damaligen Zeit das Sinnbild von politischer Instabilität
und schwacher Wirtschaft war – in lichte Höhen, inklusive erteilter Weihen
und einem Ritterschlag aus Transalpinen.
… und komme keiner auf die schräge Idee, diese Nobilierung hätte auch
ein dressierter Affe oder ein finnischer Ministerpräsident vornehmen können!
Nein – ein bisschen Glanz einstiger historischer Größe muss schon sein!
Ein deutscher Kanzler wertet sie auf – wenngleich damit eher der einstige
Ruf des Kanzleramtes gemeint ist, weniger dessen aktueller Inhaber. Dafür
taugt er gerade noch.
Wer jetzt an Grüßauguste, Operetten-Generäle oder Frühstücksdirektoren
denkt, der ist ein rechter Schelm.
Fritze sollte sich nicht wundern, dass er auch für die schwarze Assunta
Meloni in nächster Zeit möglicherweise nur noch eine Komparsenrolle spielt,
jetzt, nachdem er seine Schuldigkeit getan hat. Vielleicht darf er ihr
bei Tische aufwarten? Denn es wäre stil- und würdelos, den Inhaber eines
einst bedeutenden Thrones Europas so schäbig in der Versenkung verschwinden
zu lassen, wie sich das politische Europa so etwas schon einmal mit seinem
unglücklichen Merowinger-König Childerich III. geleistet hat.
Fakt aber ist: Nun braucht sich kein Italiener mehr von einem deutschen
Außenminister an die Wand drücken zu lassen, wie Herr Genscher seligen
Angedenkens es seinerzeit tat, als er die italienische Delegation bei
den 2+4-Gesprächen, welche sich doch tatsächlich erdreistete mitpiepsen
zu wollen, anranzte: „This is not your cup of tea!“
Viva Italia!
Tja, Fritze, noch mal zu dir Unglücksraben: Was wird nun aus deiner hehren
Brandmauer? Im Innern hochziehen und ausbauen wie einst den antifaschistischen
Schutzwall der größten DDR der ganzen Welt, sie aber gleichzeitig auf
internationalem Parkett planieren?
Fritze, das Kanzleramt liegt dir nicht. Gib es doch auf! Jetzt, wo du
schon mal in dem Lande Pfötchen gibst, in dem die Zitronen blühen, nimm
doch in Brindisi die Fähre und lass Dich vom Fergen über die Adria in
das schöne Hellas rudern! Dort gibt es einen Berg, der heißt Olymp.
Wir haben läuten gehört, dort wäre noch eine Planstelle als Gott der Bigotterie
frei. Besoldung in Drachmen, aber gut, für ein paar Oliven und einen Schluck
Ouzo wird’s reichen. Wenn nicht, frag bei Hermes nach, dem Gott der Lügner,
Kaufleute und Diebe, ob da noch ein Pöstchen als Büroleiter vakant ist.
Nicht im Kaufmannsressort – davon verstehst du kaum mehr als das Habeck-Bobbele.
(Wir bekreuzigen uns nach Altem Ritus!)
Aber „Lügner und Diebe“ hört sich doch gar nicht schlecht an. Wie jetzt,
das Wort „Diebe“ stößt dir sauer auf? Na sowas! Wie war das doch gleich
mit dem „Sondervermögen“, das ja nur eine gigantische Schuldenaufnahme
zu Lasten der nachfolgenden Generationen ist? Und was sagte unser Soldatenkönig
Friedrich Wilhelm I. von Preußen doch so derbe wie einprägsam: „Schuldenmacher
sind wie die Diebe – denn sie wirtschaften mit fremdem Eigentum!“ Es ist
uns doch gestattet, unseren König zu zitieren, oder?
Doch Vorsicht – dein göttlicher Chef mit den geflügelten Sandalen, Hermes,
wäre dir in Sachen Kompetenz möglicherweise über und du weißt ja selbst,
wie schnell sich der Job eines Büroleiters erledigen kann. Frag mal einen
gewissen Ministerialdirektor, der – hol‘ diesen Zufall der Teufel – seinen
Vornamen mit einem kleinwüchsigen Hauff’schen 5-Sternekoch namens „Nase“
teilt, der von einer württembergischen Kräuterhexe auch einen ziemlichen
Apparat von Cyrano’schem Format ins Gesicht gezaubert bekam. Diese Ministerialdirektor
aber war wirklich taff und verfügte über ein grandioses Potential. Wir
mochten ihn sehr. Dahin, dahin …
Ach, was haben wir nur immer mit „langen Nasen“? Was würde Vadder Freud
nur dazu sagen? „Hundewelpen, Hundewelpen, Hundewelpen …
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