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Sophie Marceau

Kotofeij K. Bajun. Havelsee. Wir Preußen laborieren seit unserem Soldatenkönig unter einem Fluch: Werden wir einer Hierarchie gewahr, so müssen wir deren Elemente in unser militärisches Rangsystem einordnen, um uns darüber klar zu werden, welchen Stellenwert wir ihnen zumessen.

Das gilt nun auch für Menschen beiderlei Geschlechts. Einer besonders akzentuierten Differenzierung, die sich beinahe eins zu eins in das preußisch-militärische Ranggefüge übersetzen lässt, bietet sich der feminine Teil der Gesellschaft an.

Da ist die breite Maße der Unchargierten, der Soldaten, der Rekruten, der Weibsbilder, die außer Metabolismus, Sex, Brutpflege und sich-sonnen oder sich-putzen kaum weitere Interessen haben und die der Herrgott auch verlustarm als Kühe auf die Weide hätte stellen können. Sie bilden – analog der ihnen zuzurechnenden Schicht an Männchen mit denselben Attitüden den gewaltigen Unterbau, den Bodensatz, den Ressourcen zehrenden Biofilm auf der Erdoberfläche.

Dem Stand der Unteroffiziere entsprächen dann die echten Frauen, die ein Herz haben und den ihnen zugeteilten Verstand nach Kräften nutzbringend gebrauchen. Haben sie kein Herz und verwenden diesen Verstand ausschließlich zum eigenen Vorteil und zum Schaden anderer, so nennt man sie Megären.

Es folgen die Hexen, welche die Stellen der Truppenoffiziere besetzen. Ob es böse Hexen gibt, entzieht sich unserer Kenntnis. Das mag sein. Wir sind noch keiner begegnet. Aber es gibt ja auch dämliche Truppenoffiziere. Bei Jaroslav Hasek war’s der Leutnant Dub, im NVA- Panzerregiment Nr. 1 „Friedrich Wolf“ in Beelitz /Mark war’s der Hauptmann G., KC der 8. PK. KC steht für Kompaniechef und PK für Panzerkompanie.

Doch halten wir uns nicht bei den Hexen auf und betreten den Bereich der Stabsoffiziere vom Major aufwärts. Dort finden wir die Feen. Kate Bush ist so eine, Laurie Anderson, Audrey Tautou, Isabelle Adjani und July Delpy. Martha Labod aus der Chur- und Hauptstadt Brandenburg war auch eine – aber sie war Angelladenbesitzerin – keine Schauspielerin.

Dann folgen die Generale, die mit den goldenen Sternen auf den Schultern und den roten Streifen an den Seiten der Beinkleider. Das sind die Diven. „Diva“ – das heißt „die Göttin“. Das ist natürlich Blödsinn und die meisten Zuschreibungen sind es auch. Sophia Loren, Gina Lollobrigida und Maria Callas waren Frauen, Schauspielerinen oder hatten Stimme. Der Rest war Projektion. Göttin ist Göttin und Mensch bleibt Mensch.

Die einzige Frau, die es je zur Göttin brachte, war das galiläische Mädchen Maryam bin Anna aus Nazareth, die Mutter unseres Rebben und Gottessohnes Jeshua ben Maryam, den man auch den Christus nennt. Ansonsten bleiben in dieser Kategorie Freya, Artemis, Basht, Sechmet von Theben, Inanna, Astarte, Pacha Mama und die anderen Damen dieser Sphäre des Himmels unter sich. Sie sind quasi die Marschälle der Weiblichkeit.

Aber die Generalinnen, die Göttlichen, die wahren Diven, die sind sehr, sehr rar gesät. Eine Generalobristin kennen wir: Sophie Marceau, Schauspielerin.

Die kann alles, die ist ein Stern im Schauspielhimmel, wie er nur alle tausend Jahre einmal aufgeht. Die ist eine wahre Titanin, welche sogar müde und aus dem Takt geratene Herzen in einem Maße zum Schlagen bringt, wie es kein Defibrillator vermag.

Ihr Talent brach sich bereits bei ihrem Debüt ungestüm Bahn, als sie die 14jährige Vic im legendären Jugendschinken „La Boum“ aus dem Jahre 1980 gab.

Nun genießt Frau Marceau darüber hinaus noch den Vorzug, über das gewisse Etwas zu verfügen, die sich jeder verbalen Beschreibung entziehenden Ausstrahlung. Das, was viele Weibsbilder als prioritär, wir hingegen als zweit- wenn nicht drittrangig betrachten – die Figur und die Schönheit, die des Körpers, die des Gesichts, – ist in ihrem Fallen nur mit dem Attribut „überwältigend“ zu beschreiben. Das ist in sich stimmig wie eine Partitur von Vivaldi.

Wer sie sieht und nicht blind ist, der versteht die Bedeutung des englischen Wortes „eye catcher“ auch ohne Wörterbuch. Ihr Anblick fesselt und man beurteilt den Wahrheitsgehalt der Abenteuer des Odysseus hinsichtlich seiner Begegnung mit den Sirenen und vor allem aber der Zauberin Circe noch einmal völlig neu.

Doch Schönheit ist eine unverdiente Gottesgabe. Die allein macht keine Frau zu einer „Göttlichen“. O, da wäre die Welt voll davon, denn die Zahl der „nur schönen“ Töchter Evas ist Legion.

Auch Talent allein ist keine Eintrittkarte in die Generalsränge der Weiblichkeit. Die harte und erfolgreiche Arbeit an diesem Talent schon eher. Bei Frau Marceau ist diesbezüglich keine Relativierung möglich: Sie kann einfach alles! Ob komische, ob tragische Rolle – es ist ein Ausweis ihres großen Könnens, dass sie auf keinen Charakter festgelegt werden muss. Sie ist ein schauspielerisches Universaltalent mit einer atemberaubenden Souveränität.

Es ist kaum vorstellbar, dass ein Regisseur zu ihr sagt: „Sophie, mach das so; nein anders …!“ Ein guter Spielleiter sollte ihr den größtmöglichen Freiraum in der Darstellung ermöglichen – die weiß nämlich besser als jeder andere, was sie tut. Sie spielt aus sich heraus. Das Sujet ist ihr zu Diensten – nicht umgekehrt.

Doch auch die Kunst allein verhilft noch nicht zu den goldenen Schultersternen. Es ist letzten Endes die Persönlichkeit, es ist die Integrität der Persönlichkeit, es ist die Einheitlichkeit der Persönlichkeit. Das ist es, was in Frau Marceau so strahlend in Erscheinung tritt, dass man nicht anders kann, als ihr den DIVEN-Status abzüglich jeglicher Affektiertheit, jeglicher Prätention zuzuerkennen.

Unsere westfränkischen Vettern haben das auch verstanden und sie 2012 zur Marianne erhoben, nach Mireille Mathieu sicherlich die erste und vielleicht auch einzig würdige Marianne, welche Frankreich nicht nur in einer einzigen Büste strahlend fokussiert, sondern mit der eigenen Präsenz die Anspruch auf den Titel einer Grande Nation belegt.

Dieser Titel mag sich aus der Zeit der Merowinger herleiten, von Chlodwig oder Karl dem Großen, von den Kapetingern, den Valois, Louis Quatorze, Jeanne d’Arc, Bonaparte oder weiß der Kuckuck von wem sonst noch. Auch der Flugzeugträger Charles de Gaulle und der Besitz von ein paar Atombomben reichen dafür beileibe nicht aus.

Die Darstellung der Tochter d’Artagnans oder die der Marquise-Therese de Gorle – das erst erfüllt einen mit der Ahnung, warum es sich bei dieser europäischen Nation tatsächlich um etwas Erhabenes handeln könnte, etwas einmaliges, etwas quirlig Produktives, etwas, was in seiner Gesamtheit weit über die Schönheit der Loire, die Erhabenheit der gotischen Kathedralen, die ewig gärende Hefe des französischen Bürgertums, die Literatur Corneilles, Racines, Moliers, de La Fontaines, Cyranos, Jules Vernes …, die Musik Lullys, Marais’, Rameaus, die Malerei Manets, den Festungsbaus Vaubans, die Philosophie Diderots und der hochintelligenten Laus Voltaire hinausgeht.

Madame Marceau repräsentiert ihr Land mit dem Wiedererkennungswert des Eiffelturms und überragt ihre Kolleginnen und Geschlechtsgenossinnen im selben Maße, wie dieser die Dächer von Paris.

Wir hoffen nicht der Häresie anheimzufallen, wenn wir behaupten, Gott hätte viel seiner Schöpferkraft an unwürdiges Volk beiderlei Geschlechts verschwendet. Solange aber Menschen wie die Schauspielerin und Generalin der Weiblichkeit Sophie Marceau geboren werden und ihr Licht leuchten lassen, solange wollen wir an Gottes Schöpfung keine weiteren Zweifel anmelden.

Merci für ein paar schöne Stunden inmitten des Ozeans eines tristen Alltags, Frau Marceau!

Merci, nous Madame la Colonel General!



 
B
14. Volumen

© B.St.Ff.Esq., Pr.B.&Co,2012

15.02.2025