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Shakespeare und Branagh
Ikonen der Wahrheit
Zum Film „all is true“ von Master Kenneth Branagh

 

Jules-Francois S. Lemarcou. Brandenburg an der Havel.Wissen Sie, was so richtig schwer ist? Das Werk eines Granden zu beschreiben, der einen Titanen gezeichnet hat. Man stellt sich das leicht vor … Aber weiß Gott – das ist eine Herausforderung ersten Ranges. Am meisten steht dem Rezensenten dabei die eigene Demut und das Staunen vor der Leistung dieser Großen im Wege.

Da haben wir William Shakespeare – einen der größten Dichter aller Zeiten und der größte Englands sowieso. Und dann ist da Kenneth Branagh, der Zelluloid-Titan aus Belfast, der Ehrenpräsident der deutschen Shakespeare-Gesellschaft, der es verdient hätte, Präsident der britischen Shakespeare Society zu sein.

Wir lernten ihn seinerzeit über seine geniale Adaption des Stücks „Heinrich V.“ kennen, welches Bühnenwerk sich uns sonst sicher kaum erschlossen hätte und dem wir so viele Lehren, Einsicht und Weisheit verdanken.

Kenneth Brannagh, der in filmischer Hinsicht keineswegs festgelegt ist, sondern ein breites Portfolio an Darstellung, Dramaturgie und Regie abdeckt – alles mit gleicher überragender Qualität, spielte nun den großen Barden selbst, dem er so augenscheinlich eng verbunden ist.

Das ist fürwahr der unabdingbare Ruf nach einem Meisterstück – und Branagh liefert es, souverän und atemberaubend zugleich.

Der alternde Shakespeare kehrt von London nach Hause ins heimatliche Stratford upon Avon zurück, wo er auf seine Frau – gespielt von der göttlichen Judy Dench – und seine beiden nunmehr erwachsenen Töchter trifft.

Auch hier offenbart Branagh dem Laien den späten und gut belegten, nichtsdestotrotz dem Laien sicher oft nicht in diesem Umfang bekannten Lebensweg des dichtenden Olympiers aus Stratford.

Es ist die Distanz, die sich zunächst zwischen den Töchtern und ihrer Mutter einerseits und dem Vater andererseits aufbaut, der buchstäblich wie ein Gast das heimatliche Anwesen betritt und dort auch als solcher behandelt wird.

Es ist die Konfrontation mit der arroganten Dummheit, verkörpert durch den idiotischen Sir Thomas Lucy. Es ist die Begegnung mit dem geistreichen und weltgewandten Henry Wriothesley, 3. Earl of Southampton, dargestellt von einem grandiosen Ian McKellen, dem einstigen Freund und Mäzen.

Es ist aber vor allem dieser jedes fühlende Herz bis zur Verzweiflung berührende, seelische Kampf mit dem unersetzlichen Verlust des kleinen Sohnes Hamnet, der mit gerade mal elf Jahren offiziell an der Pest verschieden war. Wie Branagh das umsetzt – das ist kaum auszuhalten, so brutal und authentisch durchdringen die Gefühle des Schmerzes jedes Medium zwischen dem großen Mimen und seinem Zuschauer.

Dass dieser hervorragende Streifen, der mehrere Oscars wert wäre, wenn denn der Oscar noch etwas wert wäre, bei vielen Kritikern nur eine mäßige Beurteilung erfuhr, spricht keineswegs gegen Branaghs Meisterwerk, sondern nur für die stupende Unfähigkeit dieser Rezensenten, einem stillen, nichtsdestoweniger epochalen Filmkunstwerk mangels nötigem Geist und Urteilsvermögen die gerechte Anerkennung zu zollen.

Unser Fazit lautet: Master Shakespeare ist ein Gigant und Master Branagh ist in jeglicher Hinsicht würdig, diesem Ausnahmedichter ein Denkmal zu setzen – in welcher Form auch immer.

Wer immer jedoch auf Kenneth Branaghs Pfaden zu wandeln gedenkt und sich Shakespeare’scher Themata oder dessen Biografie annimmt – der sollte sich seines Kunstvermögens so gewiss sein, wie es das des großen Sohnes Belfasts zweifelsohne ist.

Denn der ist einer, welcher Standards setzt und Maßstäbe definiert.

 
B
14. Volumen

© B.St.Ff.Esq., Pr.B.&Co,2012

11.03.2026