Auftragsartikel
für die BRAWO
Michael L. Hübner
lernte den Beruf eines Instandhaltungsmechanikers
für Walzwerktechnik an der 850er Walzstraße des SWB.
Im Rahmen einer Ausbildung zum Medien- und Informationsspezialisten
arbeitet er derzeit am Stadtmuseum Brandenburg an der Havel.
Die Entwicklung der Industrialisierung
in der Mark Brandenburg
Solange Menschen
die Mark bewohnten, mußten sie hart arbeiten um das tägliche
Brot zu sichern. Die Mark – das war die Streusandbüchse
des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Große
Waldflächen, viel Sand, viel Wasser – einen mittelalterlichen
Siedler mußte man schon mit stichhaltigen Argumenten zu
einem Neubeginn im Lande östlich der Elbe bewegen. Wer
sich dann neben der verbliebenen wendischen Urbevölkerung
niederließ, der mußte über Jahrhunderte hinweg
froh sein, wenn ihn die karge Erde von Ernte zu Ernte ernährte.
So ist es zu erklären, daß die wenigen urbanen Ansiedlungen
in der Mark Brandenburg in der Mehrzahl Ackerbürgerstädtchen
waren, in denen sich erste Keimzellen der späteren, im
gesamtdeutschen Vergleich doch eher bescheidenen Industrialisierung
aus dem lokalen Handwerk entwickelten. Den Ackerbürgerstatus
aber behielten sie oft bis in das anbrechende 19. Jahrhundert,
viele Kommunen sogar über diesen Zeitpunkt hinaus –
Klaus Vetter nennt diese Gemeinden gar „im Grunde…große
Dörfer“.
Diente dieses Handwerk zunächst der Selbstversorgung der
frühen Kommunen, so konnte sich im Zuge des technischen
Fortschritts zaghaft ein gewisser Fernhandel mit den im Lande
gefertigten Produkten entwickeln. Kein Vergleich mit den riesigen
Geld- und Warenströmen, die den Rhein hinauf und hinunter
flossen, oder den Brenner überquerten. Aber immerhin…In
den unruhigen Zeiten der Mark jedoch, zwischen dem Tode Waldemars
des Großen und dem Erscheinen des ersten Hohenzollern,
des Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg, also im „dramatischen
14. Jahrhundert“ bis ca. 1410, wurden diese sensiblen
Handelsbeziehungen durch das gewaltsame und auf die eigenen
Interessen beschränkte Eingreifen des märkischen Adels
und diverser schwer zu kontrollierender Räuberbanden empfindlich
gestört.
Trotzdem gelang es einigen Städten mit spezialisierten
Gilden eine gewerbliche Vormachtstellung auszubauen. Eine starke
Tuchmachergilde (um 1720 waren es in Brandenburg an der Havel
bereits 124 Tuchmacher ) formierte sich beispielsweise in der
Altstadt Brandenburg. Allerdings konnte man noch nicht von einer
manufaturellen Produktionsweise sprechen. Noch blieben handwerkliche
Produktionsstandorte an die Parzelle gebunden. Eine Art urbanes
Proletariat entwickelte sich in der Frühphase der Mark
lediglich um die großen Baustellen der Sakral- und Profanbauten
herum und zerfiel in aller Regel, sobald das Bauvorhaben abgeschlossen
oder eingestellt war.
Im 16. Jahrhundert
traten schon einige Gewerbe auf den Plan, die in größerem
Stile produzierten, verkauften oder gar exportierten. Dazu zählten
Papiermühlen in Eberswalde, Reipzig, Cottbus und Neudamm,
oder Glashütten, die häufig gezwungen waren ihren
Holzvorräten zu folgen, wie in Zechlin, Althüttendorf
oder Neustadt an der Dosse. In Rüdersdorf begann man im
größeren Stile Kalk zu brennen.
Erste Ansätze
einer konzentrierteren Produktionsweise wurden mit den Schrecken
des Dreißigjährigen Krieges beinahe auf den Nullpunkt
zurückgedrängt. Wenig passierte in den Jahren der
Erholung. Man weiß von einem Teerofen in Gapel bei Premnitz,
der um 1650 herum vor sich hin tüttelte. In anderen Regionen
sah es nicht viel besser aus. Man versuchte, am Leben zu bleiben
und das herzustellen, was zum Überleben notwendig war.
Für alles was darüber hinaus ging, gab es wenig Ambitionen
und noch weniger Kapazitäten.
Durch eine kluge Migrationspolitik gelang es dem Großen
Kurfürsten die ausgeblutete Mark durch den Zuzug vor allem
ausländischer Fachkräfte aufs Neue zu beleben. Nun
begannen sich erste größere Produktionsstätten
wie Hammerwerke und Messingwerke zu etablieren. Oftmals war
die Förderung durch den Grund- und Landesherren für
den Gedeih einer solchen Einrichtung essentiell.
In der Residenz
Berlin entwickelte sich ein den markgräflichen Hof belieferndes
Gewerbe, das allen Bedürfnissen der Hofhaltung Rechnung
trug. Mehr und mehr erkannten die Landeschefs die Wichtigkeit
der Forderung, den einheimischen Markt gegen die auswärtige
Konkurrenz zu stärken und den Binnenmarkt vor übermäßigen
Importen zu schützen.
Kluge Köpfe, wie der Hofrat und Ökonom Jakob Paul
Freiherr von Gundling, drangen zur Zeit des Regimes des Soldatenkönigs
forciert auf einen Ausbau der Manufakturen sowie einen Ausgleich
des Staatsetats durch eine Minimierung der Importe und einer
Steigerung der Exporte einheimischer Waren.
Gerd Heinrich zählt für die Zeit um 1720 manufakturelle
Aktivitäten auf dem Gebiet folgender Produktionslinien
auf: „Fayence und Steingut, Gobelins und Teppiche, Gold-
und Silberwaren, Wolle, französische Hüte, Seide,
Tapeten, Strümpfe, italienische Kunstblumen, Baumwolle,
Bänder (Dekorationstextilien),…Färbereien und
Farbanstalten,… Spezialwaffen, Messingarbeiten, Stahlwaren…Messer,
Münzen und Medaillen.“ Des weiteren entstanden „Kupfer-
und Zuckersiedereien, Bergwerke, Papierhütten und Druckereien.“
Auch Lederwaren und Tabaksverarbeitung, sowie die Produktion
von Tabakspfeifen listet Heinrich auf. Ein herausragendes Beispiel
für diesen ökonomischen Pioniergeist lieferte der
Herr auf Plaue, Friedrich von Görne, mit seiner Porzellanmanufaktur,
die sich zur starken, wenn auch kurzlebigen Konkurrenz Meißens
entwickeln sollte.
Zu dieser Zeit, in Potsdam führte der Soldatenkönig
ein strenges Regiment, wurde die Produktionsrichtlinie in Abkehr
von den Belangen der stark reduzierten Hofhaltung auf die Erfordernisse
der Armee konzentriert. Das Brandenburger Altstädtische
Rathaus beispielsweise, nach der Stadtvereinigung von 1715 seines
Zweckes als Sitz eines kommunalen Verwaltungsorganes beraubt,
wird unter Friedrich dem Großen im Jahre 1753 in eine
Barchentfabrik umgewandelt, in der ein gewisser Karl Friedrich
Daum besondere Tuche (Barchent) herstellen läßt.
Einen Anschub der Industrialisierung erfährt die Mark mit
der Schaffung des Eisenbahnnetzes, das erstmalig den Bedürfnissen
einer industriellen Infrastruktur Rechnung trägt. Ab 1840
beginnt in atemberaubendem Tempo die Verlegung eines verzweigten
Schienennetzes, die Produktion von „Dampfrössern“
bei Borsig in Tempelhof läuft an, die Zulieferbetriebe
schießen wie Pilze aus dem Boden.
Zu diesem Zeitpunkt, der von der Epoche des Biedermeiers umschlossen
wird, erfährt auch die Nachrichtentechnik eine Revolutionierung.
Auf der Strecke Koblenz-Berlin durchzieht eine Kette von Optischen
Telegraphen die Mark, die den für die kommende Industrialisierung
so eminent wichtigen Informationsaustausch auf bisher undenkbar
scheinende Zeitspannen verkürzt. Einer der Telegraphen
steht auf dem Brandenburger Marienberg. So wird es sich schnell
herumgesprochen haben, daß im Jahre 1839 die Seidenfabrik
Meyer & Co. in Brandenburg an der Havel als erste Fabrik
der Chur- und Hauptstadt von einem Lohnstreik betroffen wird.
500 Arbeiter (!) treten in den Ausstand.
Der nächste
große Sprung vollzieht sich mit der Reichseinigung nach
dem gewonnenen deutsch-französischen Kriege 1870/71 zu
Versailles. Enorme Reparationssummen, die den geschlagenen Franzosen
auferlegt werden, bereiteten die Ära vor, die man aus historischer
Sicht die Gründerzeit nennen wird. Nun gab es kein Halten
mehr. Aus vordem kleinen „Klitschen“ entwickelten
sich beinahe über Nacht passable Produktionsstandorte.
Die Stadt Brandenburg profilierte sich beispielsweise in den
folgenden zwei Jahrzehnten zu einem Brennpunkt der Fahrradproduktion.
Brennabor, Corona, Excelsior, Alexander-Fahrradwerke –
Namen, die dem Fahrradbegeisterten noch heute verheißend
in den Ohren klingen, Namen von einstiger Weltgeltung. Stahl
und Guß wurden gebraucht. Es entstanden wiederum in Brandenburg
die Elisabethhütte (1874) und das Weber’sche Stahl-
und Walzwerk (1912-1914). Für die Wahl des Standortes letzteren
Werkes war die unmittelbare Nähe zur Reichshauptstadt entscheidend.
Den explodierenden Bedarf an Baustoffen wie Kalk und Zement
versuchte das 1884 gegründete Zementwerk Guthmann &
Jeserich in Rüdersdorf zu bedienen. Auch dieses lag nahe
an Berlin und konnte sich somit einen erheblichen Standortvorteil
sichern.
Dieselbe Überlegung lag der Anlage der unzähligen
Ziegeleien zugrunde, die mit dem nach 1870/71 einsetzenden Bauboom
Berlin mit billigem Baumaterial versorgte. „Berlin ist
aus dem Kahn erbaut“, lautet noch heute ein gängiges
Sprichwort. Wo man Backsteingemäuer in Berlin antrifft,
das vom letzten Kriege verschont wurde, da findet man schnell
die Stempel märkischer Ziegeleien von Rathenow über
Ketzin, Lehnin und Brandenburg. Kaum etwas prägte das Luftbild
der Mark nachhaltiger als die Ton- und Lehmgruben dieser Ziegeleien,
die den Gewässern glazialen Ursprungs in der Mark eine
Vielzahl Wasserflächen künstlichen Aushubs hinzufügten.
Natürlich wurden mit diesem Material auch überall
moderne Produktionsstandorte errichtet. Siemens & Halske,
AEG, die 1864 gegründete Schering AG waren in der Hauptstadt
Namen, die noch heute in aller Munde sind. Schon 1902 wurde
daher in der Reichshauptstadt die Industrie- und Handelskammer
gegründet, deren höherrangige Vertreter gewichtige,
sogenannte mittelbare Beamte waren, wie beispielsweise der kommissarische
Oberbürgermeister der Stadt Brandenburg im Jahre 1933,
Dr. Adalbert Bauer.
Die Stadt Rathenow erlebte den Aufschwung seiner optischen Industrie,
die ihr bei den alliierten Luftangriffen des Zweiten Weltkriegs
so furchtbar zum Verhängnis werden sollte. Die ersten Optischen
Werke entstanden um 1850 herum und bereits 1896 zählte
die Stadt 163 optische Firmen.
Der erste Weltkrieg war es dann auch, der vielen Kommunen neue
Produktionszweige bestellte. Das schon einmal zitierte Premnitz
bekam seine chemische Industrie und begann mit der Produktion
von Sprengstoff. Der spätere Reichsbahnstandort Kirchmöser
beheimatete ab 1915 eine Pulverfabrik, die dem Dörfchen
noch ein Jahrhundert später eine nicht abzutragende Last
hinterließ. Als nach dem Versailler Vertrag von 1918 die
Sprengmittelbestände des deutschen Heeres vernichtet werden
sollten, wählte man als Verbrennungsplatz die idyllische
Halbinsel Wusterau und kontaminierte sie mit dem bis zum 100.000fachen
der zulässigen Grenzwertkonzentration an Kupfer und Quecksilber.
Wenn auch in der Nachkriegszeit ab 1920 von fürchterlichen
Krisen geschüttelt, war doch eine zunehmende Industrialisierung
der Mark Brandenburg nicht mehr aufzuhalten. Um die Ballungszentren
Berlin, Frankfurt/Oder, Cottbus und Brandenburg/Havel formierten
sich mächtige Industrie-Kerne, im Süden der Mark,
in den Gebieten der Lausitz konnte der Braunkohletagebau teilweise
mit den Energie-Anforderungen der märkischen Produktionsstandorte
kaum noch Schritt halten. Qualmende Schlote wurden zum Markenzeichen
prosperierender Kommunen.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten brachte, allerdings
auf fragwürdiger finanzieller Grundlage, der Industrie
noch einmal einen gewaltigen Anschub. Zunächst machte man
sich an die Umsetzung der schon seit der Weimarer Republik bestehenden
Pläne zur Schaffung eines Reichsautobahnnetzes, wovon die
Baustoffindustrie profitierte. Neue Produktionslinien siedelten
sich an, Brandenburg an der Havel wurde Standort des Fahrzeug-
und Flugzeugbaus. Opel errichtete 1935 eine der damals modernsten
Fahrzeugfabrikationen in Europa am Silokanal. Die Stadt kam
den Opel-Werken weit entgegen. Der Kaufpreis blieb moderat,
die Burggrafenstraße, heute August-Bebel-Straße,
wurde mitsamt ihren angeschlossenen Medien nach Osten verlegt
– nach einem Jahr nur rollten die berühmten 3-Tonner
vom Typ Opel-Blitz vom Band. Im Westen der Stadt richteten sich
1936 die ARADO-Flugzeugwerke ein und setzten damit eine Tradition
des Flugzeugbaus in der Havelstadt vor, die seit 1914 bestand
und bereits großartige flugtechnische Erfolge verbuchen
konnte.
Mehr und mehr jedoch wurden die märkischen Produktionskapazitäten
erneut auf die Kriegsrüstung ausgerichtet. Als dann der
Krieg auf deutschen Boden zurückkehrte, bekundeten feindliche
Bomberverbände für die Industriestandorte ein besonderes
Interesse. Was ihre Bomben stehen ließen, das verschwand
größtenteils als Reparationsleistung demontiert und
verladen in den Weiten der Sowjetunion. Viele Betriebe mußten
wiederum ganz von vorne anfangen.
Mit dem Elan der frühen Aufbauzeit der DDR wurden Betriebe
und Industrien repariert oder völlig neu errichtet, teilweise
aber aufgegeben. Während der legendäre „Papa
Franz“ das Brandenburger Stahl- und Walzwerk wieder zum
Leben erweckte, blieb die Automobil- und Flugzeugindustrie der
Havelstadt verloren. Lediglich auf dem Gelände der ehemaligen
Brennaborwerke wurde noch einige Zeit lang an dem Bau von Traktoren
gearbeitet. Die Besatzungsmacht brauchte keine unnötige
Konkurrenz zu ihren eigenen Absatzprodukten und war daher maßgeblich
an der Entwicklung der Richtlinien für die neuen Produktionszweige
beteiligt.
Dennoch konnten sich die drei Bezirke Potsdam, Cottbus und Franfurt/Oder,
die das heutige Land Brandenburg bilden, wiederum als starke
Industriezentren behaupten. Der Süden versorgte das Land
mit der Energie aus der Braunkohlegewinnung, im Norden entstand
1959 das Petrolchemische Kombinat (PCK) Schwedt, das sich mit
der Raffinierung und Verarbeitung von Erdöl aus der Sowjetunion
befaßte. In Rheinsberg speiste ein Atommeiler seine Energie
ins Stromnetz. Rathenow knüpfte an seine alte Bedeutung
als Hochburg der Optik an, Brandenburg/Havel, Cottbus, Potsdam,
Oranienburg, Großräschen, Rüdersdorf, Schwedt
und andere Orte wurden Zentren der Baustoffindustrie. Mächtige
Stahlwerke standen in Brandenburg/Havel, Hennigsdorf und Eisenhüttenstadt.
Der Kraftfahrzeugbau konnte sich bis zur Wende mit der Produktion
des W 50 in Ludwigsfelde, südlich von Berlin, halten. Premnitz
baute weiter auf seine chemische Industrie. Unzählige kleinere
Firmen gaben den Menschen vor Ort Lohn und Beschäftigung.
Als prominentestes Beispiel sei die Firma VEB Mechanische Spielwaren
in Brandenburg an der Havel genannt, die weiterhin Kinderspielzeug
auf hohem Niveau produzierte und damit der Tradition der weltberühmten
Lehmann’schen Spielwarenfabrik folgte.
Mit dem politischen Zusammenbruch der DDR, der mit ihrem wirtschaftlichen
Ruin Hand in Hand ging, gingen viele dieser Industrien und Fabriken
buchstäblich über Nacht ein. Teils waren sie dem Konkurrenzdruck
der westlichen Mitbewerber nicht mal ansatzweise gewachsen,
verfügten weder über moderne Produktionsmittel oder
technisches Know-how, teils wurden sie von der Konkurrenz aus
dem Westen zu Schleuderpreisen aufgekauft und dann flugs stillgelegt.
Nur wenigen gelang es, sich auf dem unbarmherzigen kapitalistischen
Markt freizuschwimmen, wie etwa dem erst in den achtziger Jahren
mit massiver westlicher Hilfe errichteten Elektrostahlwerk Brandenburg.
Die Perspektiv- und Arbeitslosigkeit nahmen rapide zu, ebenso
die daraus resultierende Abwanderung größtenteils
junger und dynamischer Fachkräfte. Das Land drohte ein
weiteres Mal auszubluten. Um so mehr wurden Neuansiedlungen
wie zum Beispiel die der Heidelberger Druckmaschinen AG oder
der Firma ZF in Brandenburg an der Havel begrüßt.
Gegenüber solch seriösem Pioniergeist aber weckten
noch andere Unternehmer riesige Hoffnungen, kassierten Landesbeihilfen
in Millionenhöhe und hinterließen Investruinen, eine
bis auf die Knochen blamierte Regierung und Tausende zutiefst
enttäuschte Märker. Zu nennen wäre da unter anderem
die Cargolifter-Halle bei Briesen-Brand. Kein Schaffensprozess
findet mehr in der riesigen Halle statt, kein Cargolifter, kein
Zeppelin-NT wird mehr gebaut. Das Betriebsareal dient der Wertabschöpfung
durch ein Freizeit-Zentrum. Architektonisch und optisch setzt
diese weltgrößte stützenfreie Halle Akzente
und zieht dadurch sicherlich auch viele Gäste an. Als Botschafter
für innovative Technik und industriellen Aufschwung der
Mark Brandenburg steht sie allerdings, stellvertretend für
eine ganze Reihe ähnlicher Projekte, leider nicht mehr
zu Diensten. Der Lausitzring, dem bei seinem Entwurf zur neuen
Formel-1 Rennstrecke eine immense magnetische Wirkung für
die Ansiedlung von Industrie und Gewerken zugedacht waren, versank
binnen kurzem in die Bedeutungslosigkeit. Was auch an Großvorhaben
in Angriff genommen wurde, vermochte sich kaum zu halten.
Doch das Ringen um die Mark als bevorzugten Standort für
die Ansiedlung von Industrie und Großgewerbe geht weiter.
Auch das Beispiel des ehrgeizigen Projektes „Chip-Fabrik
Frankfurt/Oder“ gab noch im Jahre 2003 wenig Anlaß
zur Hoffnung. Im November 2006 aber bemühte sich das Hamburger
Solarenergieunternehmen Conergy das Gelände der Chipfabrik
zu revitalisieren und auf ihm eine Produktionsstätte für
etwa1000 Mitarbeiter zu errichten.
In Brandenburg an der Havel wird das weiträumige Industriegelände
Kirchmöser, soweit es erschlossen und aufbereitet wurde,
von vielen Firmen bereits angenommen. Die PCK Raffinerie GmbH
Schwedt, die von vielen bereits abgeschrieben war, hat sich
zu einem modernen Betrieb gewandelt, der sich bereit jetzt intensiv
um die Anwerbung qualifizierter Mitarbeiter bemüht. Der
daraus resultierende Dominoeffekt ist das, was der Mark Brandenburg
für ihre weitere Entwicklung, ausgestattet mit dem unübertrefflichen
Potential ihrer landschaftlichen Schönheit, ihrer zentraleuropäischen
Lage und Brückenfunktion zu wünschen ist. Wenn die
Mark Brandenburg eines in ihrer 850jährigen Geschichte
bewiesen hat, dann dieses: Keine Krise konnte sie je so in die
Knie zwingen, daß es ihr nicht immer wieder gelungen wäre
mit Pioniergeist und hartnäckiger Schaffenskraft eine neue
Wirtschaftsblüte zu erzwingen. Ihre von der Landesregierung
ausgewiesenen Wachstumskerne geben entsprechend Anlaß
zur Zuversicht.